Wohlverhaltensphase und Restschuldbefreiung

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Was ist eine Wohlverhaltensphase und wie lange dauert sie?

Die Wohlverhaltensphase ist eine wichtige Phase der Insolvenzordnung. Mit dem Beschluss über die Ankündigung der Restschuldbefreiung beginnt für den Schuldner die Wohlverhaltensphase.

Die Wohlverhaltensphase (Abtretungsfrist) dauert längstens sechs Jahre. Diese rechnet sich ab Eröffnung des Insolvenzverfahrens (§ 287 Absatz 2 InsO). Mit der Wohlverhaltensphase sind Obliegenheiten (§295 InsO) an den Schuldner geknüpft. Während dieser Zeit muss der Schuldner eine Zeit lang verschiedene Regeln einhalten. Am Ende der Wohlverhaltensphase werden die restlichen Schulden durch die Restchuldbefreiung erlassen.

Abtretung von pfändbarem Einkommen

In der Wohlverhaltensphase verpflichtet sich der Schuldner an die Gläubiger sein pfändbares Einkommen laut Pfändungstabelle an den Verwalter abzutreten (§ 287 Absatz 2 InsO). Im Juli 2014 hat es im Zusammenhang mit der Restchuldbefreiung gesetzliche Abänderungen gegeben. Zusammenfassend stellen sich die möglichen Zeiträume bis zur Erlangung der Restschuldbefreiung verkürzt dar:

  • Sofern der Betroffene im Insolvenzverfahren die Verfahrenskosten und 35 Prozent seiner Schuldsumme bezahlen kann, wird die Wohlverhaltensphase auf drei Jahre verkürzt.
  • Sofern der Betroffene zumindest die Verfahrenskosten aus der Abtretung (§ 287 InsO) an den Verwalter binnen 60 Monaten einzahlt, verkürzt sich seine Wohlverhaltensphase, von 72 Monaten auf 60 Monaten.
  • Eine weitere Möglichkeit die Restschuldbefreiung in einer noch kürzeren Zeit zu erlangen, ist der Insolvenzplan / Planinsolvenz genannt. Seit dem Juli 2014 kommen Verbraucher in den Genuss per Insolvenzplan binnen Jahresfrist restschuldbefreit zu werden.

Die Ablösesumme ist nicht zwingend vom Schuldner zu zahlen. Ein Schuldner in der Insolvenz hat in der Regel kein Geld. Besteht Bekanntschaft oder Verwandtschaft als Sponsoren, wäre das Ziel einer vorzeitigen Restschuldbefreiung zum greifen nahe.

Wichtig: Die eigentliche Schuldsumme wird von der Schuldsumme der Insolvenztabelle – also von der angemeldeten Insolvenzforderung berechnet. Dies kann positiv sein, da nicht zwingend alle Gläubiger ihre Forderung zur Insolvenztabelle anmelden.

Einer vorzeitigen Beendigung der Wohlverhaltensphase, damit die Restschuldbefreiung erfolgen kann, muss dem zuständigen Insolvenzgericht durch Antrag bekanntgegeben werden. Damit es dazu kommt, müssen die Verfahrenskosten sowie die sonstigen Verbindlichkeiten bezahlt sein. Eine weitere Voraussetzung ist, dass seitens der Gläubiger keine Forderung zu (§ 174 InsO) der Tabelle angemeldet ist.